Freitag, 18. Februar 2011

Die kleinen Zauber Lehrlinge

Nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2011Ein seltsam-faszinierender Magnetismus verzaubert die Kinder. Auf den Kopf der Figur wird eine Kugel (zurückliegende Spieler bekommen zwei Kugeln) gelegt und diese vorsichtig mit einen kurzen Zauberstab über das Spielbrett geschoben. Bis die Stolperfalle kommt – dann zieht die magnetische Kraft die Figur in die Knie und wirft die Kugel weg. Wenn es gut läuft, trifft man dabei den richtigen Kessel in der Ecke des Spielbretts. Wenn es schlecht läuft, fällt die Kugel nutzlos runter und man geht zurück zum Start.
Spielregel | In Prinzip gut und bildschön gestaltet. Aber sieben mal blättern ist zu viel für eine einfache Regel, die auf eine Seite passen würde.
Material | Brillantes dreidimensionales Material und eine überaus stimmungsvolle Grafik zeichnen die Zauber Lehrlinge aus. Und am Ende gibt es sogar noch ein Lagerfeuer mit „Pop-up-Flammen“ (Verlagszitat).
Zielgruppe | Ab fünf oder sechs Jahren. Das Material begeistert auch ältere Grundschulkinder.
Fazit | Spielerisch-taktisch haben die Zauber Lehrlinge wenig zu bieten. Man muss sich nur gut merken, wo die Figuren in die Stolperfallen laufen. Es gibt feststehende Magnete unmittelbar von den Kesseln und überraschende Fallen. Diese werden vor Spielbeginn durch das Schütteln der Schachtel zufällig verteilt. Der Rest ist ein pures Geschicklichkeitsspiel, das den Kindern Spaß macht.

Die kleinen Zauber Lehrlinge
von Thomas Daum und Violetta Leitner
Drei Magier / Schmidt (Redaktion: Claudia Wieczorek)
für 2 bis 4 Kinder ab zirka 5 Jahre
zirka 36 Euro

Blogeintrag aktualisiert im Mai 2011

Donnerstag, 10. Februar 2011

Geistesblitz

Ein games we play Spieletipp für die KinderZEIT
KinderZEIT
DIE ZEIT Nr. 7 / 2011, Seite 43 >>
Empfehlungsliste Kinderspiel des Jahres 2011
Die nächste Karte wird aufgedeckt: Ein grünes Gespenst macht es sich im blauen Sessel bequem. Doch Gespenster sind grundsätzlich weiß und der Sessel ist in diesem Spiel leider rot. Was tun? Man muss sich für ein anderes Objekt entscheiden, was in diesem Fall weder grün noch blau ist. Die graue Maus!
Material | In diesem hektischen Reaktionsspiel wird nach fünf netten Holzfiguren in fünf unterschiedlichen Farben gegrabscht. Schön.
Zielgruppe | Alle. Von Kindern ab sieben oder acht Jahren bis hin zu Erwachsenen – inklusive Spielemuffel.

Geistesblitz
von Jacques Zeimet
Zoch
für 2 bis 8 SpielerInnen ab zirka 8 Jahre
zirka 10 Euro

Donnerstag, 25. November 2010

Bohnanza Fun & Easy

Ein games we play Spieletipp für die KinderZEIT
KinderZEIT
DIE ZEIT Nr. 48 / 2010, Seite 49 >>
Bohnanza ist der moderne Klassiker des Kartenspiels, das vielleicht beste Spiel dieses Genres überhaupt. Mit Fun & Easy ist jetzt eine vereinfachte Version erschienen, die einen unkomplizierten Einstieg ermöglicht. Unverändert geht es um den turbulenten Bohnenhandel. Die erworbenen Hülsenfrüchte müssen auf den eigenen Feldern angebaut werden, um später siegpunktträchtig geerntet zu werden. Da jeder aber nur drei Felder besitzt, können nur drei Sorten angebaut werden. Deswegen muss man handeln, tauschen und manchmal auch verschenken.
Spielregel | Sie ist gegenüber der klassischen Version behutsam abgespeckt worden und damit gut verständlich.
Material
| Die Spielkarten sind in Ordnung, die Grafik ist nicht so schön. Die alten Bohnanza-Karten waren überaus witzig. Der Versuch, aus einer witzigen Idee eine noch witzigere zu machen, endet in Albernheit. Kein Mensch braucht „rockende“ Bohnen.
Zielgruppe | 1997 hatte das eigentlich nur mäßig schwierige Bohnanza mit „ab 12“ noch eine sehr hohe Altersgruppe angepeilt. Jetzt gibt es mit Fun & Easy endlich eine Variante, die schon „ab 8“ spielbar ist. Wobei sich die Altersgrenze eigentlich ganz anders definiert: Es dürfen alle diejenigen mitspielen, die nicht (mehr) schummeln. Denn der Reiz von Bohnanza liegt auch darin, dass man seine Spielkarten niemals umsortieren darf. An diese Regel muss man sich halten, auch wenn sie von den Mitspielern kaum zu kontrollieren ist.
Fazit | Wer das „richtige“ Bohnanza kennt, liebt und beherrscht, wird sicherlich nicht zu Fun & Easy greifen. Denn die leichter zugänglichen Regeln bedeuten etwas weniger Raffinesse – alles ist weniger eng, man hat mehr Spielraum. Für Neueinsteiger ist aber genau das richtig: Bohnanza ist auch mit Fun & Easy ein überaus spannendes und lebendiges Kartenspiel.

Bohnanza Fun & Easy
von Uwe Rosenberg
Amigo
für 3 bis 5 SpielerInnen ab zirka 8 Jahre
zirka 7 Euro

Samstag, 9. Oktober 2010

Kraken-Alarm

Kipp, kipp, hurra! Wer kentert da?
Nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2010
Deutscher Kinderspiele Preis 2010
Oben thront der Krake auf einem Holzstab, an dem ein langer Faden als Tentakel befestigt ist. An dessen Ende befindet sich eine Kugel, die bei Bewegung dem Segelschiff gefährlich nahe kommt. Immer wenn das Segelschiff neben dem kleinen Krakenkind steht, rufen die Kinder „Krakenalarm“ und werfen die Kugel im Kreis. Wenn das Segelschiff kippt, verliert der aktive Spieler einen Proviantchip. Das ist nicht so gut. Besser ist es, Meerestiere zu sammeln. Dazu muss man beim Aufdecken der verdeckten Chips neben dem Segelschiff Glück haben. Oder man merkt sich im Laufe des Spiels, wo die richtigen Tiere zu finden sind. Dass ist dann ähnlich wie bei Memory.
Spielregel | Für ein Kinderspiel ist sie mit zwei großformatigen Seiten ziemlich lang. Es wäre schön, wenn sie etwas gestrafft formuliert wäre.
Material | Die Konstruktion mit dem oben sitzenden Kraken sieht toll aus und ist erstaunlich stabil. Die kreisende Kugel schmeißt das Boot oft um – und richtet es häufig auch wieder auf. Dieses Spannungselement ist durchaus erwünscht. Abhängig von der unterschiedlichen Länge der Tentakelschur verlieren die Kinder meist nur selten einen Proviantchip.
Zielgruppe | Kraken-Alarm ist toll für Kinder ab fünf oder sechs Jahren. Ältere Kinder merken sich die Positionen der Chips oft so gut, dass der „Krakenalarm“ taktisch geschickt umgangen wird. Dann kann eine Sonderregel für neuen Schwung sorgen.
Fazit | Ein klasse Spiel, das auf gelungene Weise ein unterhaltsames Aktionselement mit einem interessanten Merkspiel sowie taktischen Elementen verknüpft. Das Spiel hat es verdient, mit dem Deutschen Kinderspiele Preis (der in den Vorjahren manchmal zu merkwürdigen Ergebnissen geführt hat) ausgezeichnet zu werden.
Kraken-Alarm
von Oliver Igelhaut
Kosmos
für 2 bis 4 Kinder ab zirka 5 Jahre
zirka 25 Euro

Montag, 30. August 2010

Die kleine Raupe Nimmersatt – Das Original-Spiel zum Buch

Empfehlungsliste Kinderspiel des Jahres 2010
Eine Spielfigur, die Raupe, läuft über Farbfelder bis zum Loch. Dort hat es sich durch die Frucht gefressen. Wir heben den obersten Spielplan ab – und finden das nächste Brett, auf dem sich ein weiteres Obst befindet. Irgendwann in dem mehrstufigen Spiel landet die Raupe bei den Süßigkeiten, dem Blatt und dem Schmetterling. Sechs quadratische Kärtchen liegen verdeckt neben dem Spiel. Die Kinder müssen das Kärtchen mit der passenden Farbe aufdecken, um das nächste Farbfeld zu erreichen. Dabei gewinnen sie jeweils einen Siegpunkt.
Material | Sehr schön dreidimensional gestaltet. Insbesondere den Eltern werden die Originalgrafiken von Carle gefallen, die das Buch so berühmt gemacht haben.
Zielgruppe | Ab 3 Jahre, viele Kinder können es auch schon ein paar Monate eher probieren. Für erfahrene Kinder können weitere Kärtchen hinzugelegt werden, um das Auffinden der richtigen Karte zu erschweren.
Fazit | Ein tolles und ruhiges Spiel für die Allerkleinsten, das bis zum Ende spannend bleibt. Wer mag, kann dazu das Buch Die kleine Raupe Nimmersatt vorlesen, dessen Rhythmus das Spiel perfekt abbildet. Kai Haferkamp ist erneut die brillante Umsetzung eines Kinderbuchklassikers gelungen. Nur der Titel – Das Original-Spiel … – hätte etwas griffiger sein können.

Die Welt von Eric Carle
Die kleine Raupe Nimmersatt
Das Original-Spiel zum Buch

von Kai Haferkamp
Schmidt
für 2 bis 4 Kinder ab zirka 3 Jahre
zirka 20 Euro

Montag, 2. August 2010

Diego Drachenzahn gewinnt den „blauen Pöppel“ 2010

10 Jahre Kinderspiel des Jahres: Preisverleihung in Hamburg
Am Ende blieb die Überraschung aus. Diego Drachenzahn ist Kinderspiel des Jahres. Zwar war es kein klarer Favoritensieg, denn dazu waren fünf nominierten Kinderspiele in ihrer spielerischen Qualität zu ähnlich. Es sei eine hauchdünne Entscheidung gewesen, „wir hätten am liebsten fünf Mal den Pöppel vergeben“, sagte Wieland Herold, Koordinator der sechsköpfigen Kinderspiel-Jury.
Diego Drachenzahn
ist der Titel, der das breiteste Kinderpublikum erreichen wird. Das kaum 15 Minuten dauernde Spiel kann man bedenkenlos auch Fünfjährigen empfehlen. Da richteten sich die anderen nominierten Spiele an Kinder, die schon ein paar Monate älter sein müssen oder schon über eine größere Spieleerfahrung verfügen.
Kraken-Alarm kann sich als das Spiel fühlen, das eine spektakuläre Optik mit einem taktischen Spielansatz verknüpft. Panic Tower begeistert als Geschicklichkeitsspiel nicht nur die Kinder, sondern genauso ihre mitspielenden Eltern. Turi-Tour, bei dem das Kind mit einer Brille seine Augen verdeckt, bietet das innovativste Konzept. Vampire der Nacht ist das atmosphärisch beste Spiel, insbesondere in der Dunkelheit beeindruckt die Geschichte mit den Vampirkindern. Doch insgesamt überwogen die Vorteile für Diego Drachenzahn.
Zum zehnjährigen Jubiläum des Kinderspielpreises, der in den beinahe kitschig-verspielt wirkenden Sälen des traditionsreichen Hamburger Hotel Atlantic vergeben wurde, ging die Auszeichnung an zwei Bekannte. Die engagierte fränkische Kinderspielfirma Haba erhielt den „blauen Pöppel“ bereits zum dritten Mal. Autor Manfred Ludwig ist nun Doppelsieger, er wurde bereits 2003 für Viva Topo ausgezeichnet.
Michael Hopf, Haba-Verlagschef, zeigte sich von der Auszeichnung überrascht. Er habe lediglich eine „20-Prozent-Chance“ für einen Diego-Drachenzahn-Sieg gesehen, sagte er und wirkte umso mehr erfreut, dass es geklappt hat. Jetzt muss er die Maschinerie für die Produktion einer sechsstelligen Auflage schnellstens in Gang setzten, denn bis zum Weihnachtsgeschäft ist es nicht mehr weit. Durch die wegen des Jubiläumsjahres erfolgten zeitlichen Abtrennung der Kinderspiel-Entscheidung von der Prämierung des „Spiels des Jahres“ startet man sechs Wochen später. Eine Rekordauflage sei eh nicht zu erwarten, da Haba weiterhin auf den Fachhandel als Vertriebsschiene setze, war aus der Presseabteilung des Verlags zu hören. Zuletzt war es den Kinderspielen gelungen, im Verkauf mit dem schon länger etablierten Spiel des Jahres mit ihrem „roten Pöppel“ aufzuschließen und es teilweise sogar zu überholen.
Sechs Enkelkinder hat der pensionierte Sport- und Französischlehrer Ludwig. Sie seien seine Testgruppe, erzählte er. Spiele entwickelt er schon seit Ende der siebziger Jahre, zumeist Kinderspiele. „Als Lehrer muss man sich sowieso in Kinder hineinversetzen können“, erklärt er seinen Erfolg.
Diego Drachenzahn habe als Spiel eine ganz besondere Entwicklung genommen, so Ludwig. Er habe für eine Feier zur Unterhaltung der Gäste ein Spiel gebaut, bei dem es darum ging, Kugeln in das Zielfach in der Mitte zu rollen. Doch einer der Spieler traf nicht die Mitte, sondern konsequent in ein Fach daneben. „Dahin wollte ich auch treffen“, habe dieser anschließend forsch behauptet. „So entstand die Spielidee, zu erraten, wohin jemand treffen wollte.“
Ursprünglich hatte Ludwig ein Schießspiel entwickelt. Es sei darum gegangen, die Kugeln auf wilde Tiere zu rollen, um diese zu schießen. „Mit einem Narkosegewehr“, beeilte sich der Regensburger Spieleautor zu ergänzen. Haba hatte dieses Thema nicht haben wollen, und Redakteur Markus Nikisch hat daraus die Geschichte vom feuerkugelspeienden Drachen gemacht. „Drachen sind in“, sagte Haba-Geschäftsführer Michael Hopf. Manfred Ludwigs Spielidee als solche hat Haba hingegen unverändert übernommen. Eine Entscheidung, die sich ausgezahlt.
ZDF heute: Drache legt sie alle rein >>
Kinder des Hortes Kleinflotterbek, Autor Manfred Ludwig, Haba-Chef Michael Hopf und Jury-Koordinator Wieland Herold. (Foto: spieldesjahres.de)

Donnerstag, 29. Juli 2010

Diego Drachenzahn

Ein feuriges Geschicklichkeitsspiel
Kinderspiel des Jahres 2010
Ein Spieler rollt drei Murmeln über die schiefe Ebene in die unten liegenden acht Fächer. Welches Fach sein Ziel ist, bestimmt ein verdeckt gezogenes Plättchen, das gegenüber den Mitspielern geheim gehalten wird. Diese müssen nämlich tippen, welches Fach der Startspieler treffen wollte.
Spielregel | Zurückhaltend gestaltet erfüllt sie ihren Zweck tadellos.
Material | Das so genannte „Drachenstadion“ sieht zwar unspektakulär aus, die Murmeln rollen nicht desto trotz klaglos in ihre Fächer. Dass sie meistens nicht im richtigen Fach landen, liegt nicht am Material, sondern am Unvermögen des Spielers.
Zielgruppe | Schon Fünfjährige können mitspielen, auch wenn sie an der Aufgabe, ein undurchdringliches Pokerface machen zu müssen, zunächst noch scheitern mögen. Man soll sich nämlich nicht anmerken lassen, ob die Kugel getroffen oder ihr Ziel verfehlt hat. Ältere Kinder können ihre Mitspieler durch einen gekonnten Bluff verwirren – enttäuscht durchatmen, wenn man getroffen hat, oder zufrieden grinsen, wenn die Murmel ins falsche Fach gerutscht ist. Langweilig wird das Spiel nur für diejenigen, die (fast) immer ins richtige Fach treffen. Aber ich habe noch niemanden getroffen, dem dies gelang.
Fazit | Diego Drachenzahn ist eines der besten Spiele des laufenden Jahrgangs. Es lässt sich kurz und knackig spielen und sorgt für Spannung, insbesondere mit drei oder vier Kindern. Schön ist die Notwendigkeit, den murmelnden Mitspieler genau zu beobachten. Wo schaut er hin? Wie reagiert er?
Diego Drachenzahn
von Manfred Ludwig
Haba
für 2 bis 4 Kinder ab zirka 5 Jahre
zirka 20 Euro

Blogeintrag aktualisiert im August 2010

Donnerstag, 8. Juli 2010

Dixit

Spiel des Jahres 2010
Ein games we play Spieletipp für die KinderZEIT
KinderZEIT
DIE ZEIT Nr. 28 / 2010, Seite 39 >>
84 surreale Bildkarten sind im Spiel. Der Startspieler muss eine Überschrift zu einem seiner Bilder finden. Er sagt dies laut und legt das Bild verdeckt auf den Tisch. Vermischt mit den Karten der Mitspieler müssen diese herausfinden, welches sein Bild ist.
Material | Tolle Bilder, gezeichnet von Marie Cardouat.
Zielgruppe | Erwachsene und Kinder ab etwa 8 Jahren, die es schaffen, Bilder und Emotionen in Sprache übersetzen.

Dixit
von Jean-Louis Roubira
Libellud (Vertrieb: Asmodee)
für 3 bis 6 SpielerInnen ab zirka 8 Jahre
zirka 29 Euro

Donnerstag, 1. Juli 2010

Identik

Ein games we play Spieletipp für die KinderZEIT
KinderZEIT
DIE ZEIT Nr. 27 / 2010, Seite 41 >>
Nominiert für das Spiel des Jahres 2010
Einer redet und beschreibt das Bild – die Mitspieler malen es. Doch es kommt nicht darauf an, besonders schön zu malen. Entscheidend sind die zehn Wertungsdetails, die auch dem Bilderklärer zunächst unbekannt sind.
Spielregel | Sie nimmt das Spiel ernster, als es ist. Einige Regelschlenker hätte man sich sparen können. Denn Identik ist ein pures Spaßspiel.
Zielgruppe | Mitmachen können alle, die sich trauen, schnell draufloszukritzeln und sich auch nicht von der schnell ablaufenden Sanduhr irritieren lassen. Wer einen harten Wettkampf erwartet, liegt falsch: Identik sollte man allein aus Spaß am Spiel auf den Tisch bringen.

Identik
von William Jacobsen und Amanda Kohout
Asmodee (Lizenz: Braincog)
für 3 bis zirka 7 SpielerInnen ab zirka 8 Jahre
zirka 30 Euro

Dienstag, 29. Juni 2010

Dixit: Spiel des Jahres für Frankreich

Ist Dixit (auch) ein Kinderspiel?
Das Spiel des Jahres 2010, eine Auszeichnung fürs deutschsprachige Spiel, ist das französische Dixit. Das ist die Überraschung in diesem Jahr. Zwar gewann 2004 mit Zug um Zug ebenfalls ein nicht-deutscher Titel. Aber dieses US-französische Spiel galt als typisches „German-style board game“ und zielte von Anfang auch auf den deutschen Markt. Das ist bei Dixit nicht der Fall. Es ist als Kommunikationsspiel kein „typisch deutsches“ Spiel – sondern steht eher in der Tradition internationaler Partyspiele.
Der Autor: Jean-Louis Roubira
Die Freude bei Dixit-Autor Jean-Louis Roubira war riesig. Sein Spiel setzte sich gegen die anderen nominierten Spiele durch, zwei deutsche und zwei amerikanische Titel. Jetzt darf er den weltweit bedeutendsten Spielepreis mit nach Frankreich nehmen. Roubira ist Kinderpsychater und erzählte auf der Berliner Preisverleihung, dass er Dixit aus seiner Arbeit heraus entwickelt habe. Es gehe darum, beim Anblick von Bildern Gefühle auszudrücken.
In Dixit muss der Spieler zu einem fantastischen Traumbild eine Überschrift assoziieren und mit einem Wort oder einen kurzen Satz ausdrücken. Diese Überschrift muss so nah am Bild sein, dass möglichst viele Mitspieler es daraufhin erkennen – aber nicht alle. Deswegen darf man die Zeichnung nicht konkret beschreiben, sondern muss im Ungefähren bleiben. Das ist wahrlich nicht einfach. Somit ist Dixit wie viele Kommunikationsspiele: Die formale Spielregel ist kinderleicht, die inhaltlichen Anforderungen sind viel höher.
Es ist schwierig festzulegen, ab welchem Alter Kinder bei Dixit eine Chance haben. Manche Kinder beherrschen das Übersetzen eines abgebildeten Traumbildes in Sprache bereits ab acht Jahren. Und dann macht ihnen das Spiel sehr viel Spaß.
Ein Kinderspiel ist Dixit sicherlich nicht. Es ist auch ein Spiel für ältere Kinder, begeistert aber genauso andere Generationen.
Jury-Sprecher Bernhard Löhlein überreicht die Siegerurkunde an den Autor Jean-Louis Roubira, den Verleger Régis Bonnessée (Libellud), Kelly Shergill (Asmodee-Geschäftsführerin – zuständig für den deutschen Vertrieb) und die Grafikerin Marie Cardouat.