Montag, 2. August 2010

Diego Drachenzahn gewinnt den „blauen Pöppel“ 2010

10 Jahre Kinderspiel des Jahres: Preisverleihung in Hamburg
Am Ende blieb die Überraschung aus. Diego Drachenzahn ist Kinderspiel des Jahres. Zwar war es kein klarer Favoritensieg, denn dazu waren fünf nominierten Kinderspiele in ihrer spielerischen Qualität zu ähnlich. Es sei eine hauchdünne Entscheidung gewesen, „wir hätten am liebsten fünf Mal den Pöppel vergeben“, sagte Wieland Herold, Koordinator der sechsköpfigen Kinderspiel-Jury.
Diego Drachenzahn
ist der Titel, der das breiteste Kinderpublikum erreichen wird. Das kaum 15 Minuten dauernde Spiel kann man bedenkenlos auch Fünfjährigen empfehlen. Da richteten sich die anderen nominierten Spiele an Kinder, die schon ein paar Monate älter sein müssen oder schon über eine größere Spieleerfahrung verfügen.
Kraken-Alarm kann sich als das Spiel fühlen, das eine spektakuläre Optik mit einem taktischen Spielansatz verknüpft. Panic Tower begeistert als Geschicklichkeitsspiel nicht nur die Kinder, sondern genauso ihre mitspielenden Eltern. Turi-Tour, bei dem das Kind mit einer Brille seine Augen verdeckt, bietet das innovativste Konzept. Vampire der Nacht ist das atmosphärisch beste Spiel, insbesondere in der Dunkelheit beeindruckt die Geschichte mit den Vampirkindern. Doch insgesamt überwogen die Vorteile für Diego Drachenzahn.
Zum zehnjährigen Jubiläum des Kinderspielpreises, der in den beinahe kitschig-verspielt wirkenden Sälen des traditionsreichen Hamburger Hotel Atlantic vergeben wurde, ging die Auszeichnung an zwei Bekannte. Die engagierte fränkische Kinderspielfirma Haba erhielt den „blauen Pöppel“ bereits zum dritten Mal. Autor Manfred Ludwig ist nun Doppelsieger, er wurde bereits 2003 für Viva Topo ausgezeichnet.
Michael Hopf, Haba-Verlagschef, zeigte sich von der Auszeichnung überrascht. Er habe lediglich eine „20-Prozent-Chance“ für einen Diego-Drachenzahn-Sieg gesehen, sagte er und wirkte umso mehr erfreut, dass es geklappt hat. Jetzt muss er die Maschinerie für die Produktion einer sechsstelligen Auflage schnellstens in Gang setzten, denn bis zum Weihnachtsgeschäft ist es nicht mehr weit. Durch die wegen des Jubiläumsjahres erfolgten zeitlichen Abtrennung der Kinderspiel-Entscheidung von der Prämierung des „Spiels des Jahres“ startet man sechs Wochen später. Eine Rekordauflage sei eh nicht zu erwarten, da Haba weiterhin auf den Fachhandel als Vertriebsschiene setze, war aus der Presseabteilung des Verlags zu hören. Zuletzt war es den Kinderspielen gelungen, im Verkauf mit dem schon länger etablierten Spiel des Jahres mit ihrem „roten Pöppel“ aufzuschließen und es teilweise sogar zu überholen.
Sechs Enkelkinder hat der pensionierte Sport- und Französischlehrer Ludwig. Sie seien seine Testgruppe, erzählte er. Spiele entwickelt er schon seit Ende der siebziger Jahre, zumeist Kinderspiele. „Als Lehrer muss man sich sowieso in Kinder hineinversetzen können“, erklärt er seinen Erfolg.
Diego Drachenzahn habe als Spiel eine ganz besondere Entwicklung genommen, so Ludwig. Er habe für eine Feier zur Unterhaltung der Gäste ein Spiel gebaut, bei dem es darum ging, Kugeln in das Zielfach in der Mitte zu rollen. Doch einer der Spieler traf nicht die Mitte, sondern konsequent in ein Fach daneben. „Dahin wollte ich auch treffen“, habe dieser anschließend forsch behauptet. „So entstand die Spielidee, zu erraten, wohin jemand treffen wollte.“
Ursprünglich hatte Ludwig ein Schießspiel entwickelt. Es sei darum gegangen, die Kugeln auf wilde Tiere zu rollen, um diese zu schießen. „Mit einem Narkosegewehr“, beeilte sich der Regensburger Spieleautor zu ergänzen. Haba hatte dieses Thema nicht haben wollen, und Redakteur Markus Nikisch hat daraus die Geschichte vom feuerkugelspeienden Drachen gemacht. „Drachen sind in“, sagte Haba-Geschäftsführer Michael Hopf. Manfred Ludwigs Spielidee als solche hat Haba hingegen unverändert übernommen. Eine Entscheidung, die sich ausgezahlt.
ZDF heute: Drache legt sie alle rein >>
Kinder des Hortes Kleinflotterbek, Autor Manfred Ludwig, Haba-Chef Michael Hopf und Jury-Koordinator Wieland Herold. (Foto: spieldesjahres.de)

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