Montag, 26. Oktober 2009

Kinder und die Essener Spiel ’09

Kinderspiele stehen auf der weltgrößten Spieleveranstaltung, den Internationalen Spieltagen in der Messe Essen, nicht im Mittelpunkt. Sondern gerade in diesem Jahr lag ein Schwerpunkt bei den komplexeren Titeln mit der Altersangabe „ab 12“ und einer Mindestspieldauer von 90 bis 120 Minuten. Doch um ein breites Publikum zu erreichen, kann sich diese Spieleveranstaltung nicht auf solchen „Vielspieler“-Spielen ausruhen. Denn zum Einstieg in das Spielehobby muss ein breites Publikum erreicht werden, und es sind breitenwirksame Spiele, wie etwa das überaus populäre Dominion notwendig. Dies wurde in Essen in nahezu jeder freien Nische gespielt.
Wer noch langfristiger denkt, kommt zudem nicht umhin, in Kinderspiele zu investieren. Doch leider fehlt es weiterhin an einem tragfähigen Konzept, Kinder wirklich gleichberechtigt in die Spieltage zu integrieren. Es gibt auf der einen Seite zu wenig Aussteller, die sich um die Kinder – und damit die künftigen Märkte – bemühen. Kinderspiele werden zumeist auf der Nürnberger Händlermesse präsentiert. Und auf der anderen Seite fehlt eine attraktive Verknüpfung mit einem attraktiven spielerischen Bewegungsangebot, um die Kleinen an solch einem Messetag bei der Stange zu halten. Zwar gibt es auch eine Hüpfburg und ähnliches – dieses Programm ist in den letzten Jahren aber immer mehr an den Rand gedrängt worden. Wünschenswert wäre eine überzeugend ausgestaltete Kinderspielehalle.
Die Zahl der Kinderspielneuheiten mit einer Altersangabe von maximal „6+“ hielt sich in überschaubaren Grenzen. Zumal sich Selecta aus ökonomischen Gründen ganz aus den Essener Messehallen zurückgezogen hat – eine vielfach kritisierte Entscheidung. So musste Haba die jungen Spielefans scheinbar alleine schultern.
Immerhin gab es am zentral gelegenen Haba-Stand insgesamt 11 Neuheiten für das Altersspektrum „ab 3“ bis „ab 6“. Im Mittelpunkt lag dabei Kleine Magier (ab 4), das mittels eines Großspiels präsentiert wurde (siehe großes Foto oben). Hier müssen sich die Kinder merken, was unter den Zaubererhüten versteckt ist und die Hüte mit dem magnetischen Zauberstab anheben. Bei Diego Drachenzahn (ab 5) wird versucht, Murmeln in ein bestimmtes Ziel zu schnippen – und die Mitspieler müssen tippen, ob das getroffene Ziel wirklich gemeint ist. Attraktiv erscheint auch das kleine Schatz der Mumie (ab 5), das ein Würfel- mit einem Legespiel verbindet. Außerdem sind neu: Mucks Mäuschen Still (ab 5), Muh & Mäh (ab 3), Städtetour (ab 6), Verfühlt nochmal – Groß und klein (ab 4), Volldampf voraus (ab 5) sowie drei Ratz Fatz-Spiele (ab 3).
Beim Nachbarstand von Zoch gab es ein schönes Kartenspiel: Mausgeflippt (ab 5), bei dem die Kinder schnell reagieren müssen, um das richtige Maus-Kleidungsstück abzuwerfen.
Ein interessantes Die lieben Sieben-Spiel ist unter dem Spiegelburg-Logo erschienen: Ab auf die Wippe (ab 3), das (wohl bewusst) an das alte Franjos-Spiel Kippit erinnert.
Bei Amigo fanden sich zwei Lauras Stern-Neuheiten (ab 5). Vampire der Nacht (ab 6) heißt ein neues Dunkelspiel, das Drei Magier präsentierte – leider im Hellen. Ob es an die Nacht der Magier (nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2006) anknüpfen kann, wird sich erst beim Ausprobieren im Dunkeln erweisen. Ein Kinderspiel hat Queen herausgeben: Nelly (ab 6). Hier versuchen die Kinder, ihre Schildkröten geschickt auf den breiten Nilpferd-Rücken zu legen, ohne dass sie direkt wieder ins Wasser rutschen. Klaus die Maus entdeckt das Jahr (ab 4) ist bei Huch and friends erschienen.
PublicSolution hat für sein elektronisches Yvio ein neues Kinderspiel im Programm: Auf dem Bauernhof ist was los (ab 6), ein Petterson und Findus-Spiel als interaktive Spielesammlung. Lego hatte zwei Spiele für die Kleineren vorgestellt: Magikus (ab 6) und Robo Champ (ab 6).
Drei Titel waren bei Beleduc, die sich auf Holzspiele für Kindergärten spezialisiert haben, zu finden: Speedy (ab 4), Piazza (ab 4), Combino (ab 5).
Schnuffi, wuff (ab 4) ist ein Bewegungsspiel mit Karten, das der neue Kleinstverlag Edition Siebenschläfer zusammen mit Määh (ab 5) herausgebracht hat. Und bei den ausländischen Verlagen habe ich nur ein interessanteres Spiel gefunden, das allerdings nur in kleiner Stückzahl vorhanden war: Schafe scheuchen (ab 5) vom litauischen Verlag Logis.

1 Kommentare:

Schmitzi hat gesagt…

Ich finde auch, dass eine Kinderspielhalle eine gute Idee ist. Ansonsten merkt man natürlich jedes Jahr, dass eine Messe vor allem anstrengend ist und laut und hinterher der Kopf dröhnt. Aber man freut sich auch immer sehr, wenn der Jagdinstinkt noch funktioniert und man einen freien Tisch ergattert, den man nicht mehr hergeben mag...

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